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Ist Chaos weiblich?

Ist Chaos weiblich?

Gespräche mit meiner Arbeitskollegin fördern erstaunliche Gedankengänge.
Mit einer "Leidensgenossin" zu sprechen gibt neue Anreize, neuen Mut und das Gefühl verstanden zu werden.
Chaos.
Meine Wohung ist chaotisch. Nur warum? Nun.
Einmal im Monat (mindestens) sitze ich fluchend in der Wohnung, sehe mich und wundere mich. Wer zum Teufel züchtet hier ohne mein Wissen Staub?
Sie kommen in Scharen. Massen. Einer Armee von unaufhaltsamen Zusammenschlüssen die wir auch gerne "Wollmäuse" nennen. Sicher, meine Kater sind nicht unschuldig. Ihr Fell hat einfach noch nicht bemerkt, dass es längst Sommer geworden ist und damit die Haare eigendlich am Körper bleiben sollten. (Wer hat eigendlich den Verlust des Winterfells erfunden und warum habe ich keines? Und warum zum Teufel rasieren wir unsere Tiere nicht am Sommeranfang um uns das zu ersparen?)
Das liegt am Wetter.
Ich war bei Chaos. Woher kommt es denn nun und wie kann ich es bekämpfen? Tja, das Chaos kommt aus mir. Na toll, denkt sich sicher der ein oder andere. Dann muss ich ja nur mich aufräumen. Ha, von wegen. Tief hat es seine dreckigen Krallen in mich geschlagen und hält mich in eisigem Griff. Mh, was nun? Rigoros ausmüllen. Alte Dinge weg, in eine Kiste, Decken drauf und irgendwo in die Ecke. Ja, Frauen gehen dann auch gerne mal gleich zum Frisör und lassen auch ihre Hülle pflegen, auf dem Rückweg dann eine neue Farbe mitnehmen und gleich siehts nicht mehr ganz so schlimm aus.
Leute wie ich (wenn dann mal das Geld dafür da ist) machen es dann gleich richtig und lassen sich gleich ein neues Loch in den Schweizerlochkäsekörper pusten. Zum Pech für meine Spontanität ist meist kein Geld da.
Ansonsten ärgert man sich über mangelnde Komplimente. Die Herren der Schöpfung sind sicher abgeschreckt von den mörderischen Blicken der Damen mit Augenrändern mit denen sie auffordern gefälligst tot umzukippen. Indem die Herren in die andere Richtung sehen kommen sie nicht in die Verlegenheit dem Folge leisten zu müssen, denn was man nicht sieht ist bekanntlich auch nicht da.
Schon wieder schweife ich ab, aber ich bin eine Frau. Wir haben Gedankensprünge, demnach darf ich das.
Wir wollten über Chaos nachdenken. Chaos ist nicht zwingend schlecht. Es ist ein Zustand den wir benennen, wenn keine perfekte Ordnung existiert. Demnach ist Chaos nur Unordnung, die natürlich in verschiedenen Graden abstufbar ist. Kreatives Chaos ist etwas für Künstler, können sie überhaupt ohne? Chaotische Unordnung spricht man Junggesellen in ihrer ersten Wohnung zu. Mäßige bis schlimme Unordnung, oder Chaos findet man für gewöhnlich in Kinderzimmern. Wo haben wir Frauen also unser Chaos? Uns wird zugesprochen viele Dinge gleichzeitig machen zu können, den Haushalt und Kinder gleich nebenher.
Ganz einfach: es ist in uns.
Chaos ist demnach nicht immer sichtbar, wirkt sich jedoch nachhaltig auf unser Leben und unsere Nerven aus.
Zum Schluss eine kleine Warnung an die Mitmenschen:
Versucht in einer chaotischen Phase gar nicht erst Vernunft zu finden. Die wird als erstes hinterrücks gemeuchelt und leblos in der letzten Ecke liegen gelassen wo Verständnis und Geduld in einer Notoperation damit beschäftigt sind sie zu retten.
Vielleicht ist Chaos weiblich.

25.3.11 22:56, kommentieren

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Laufbandgedanken

Ein Tag wie jeder andere.

Ein Blick auf die Uhr.

Noch 10 Minuten.

Ein Blick nach rechts und links. Vorsichtig.

Da rennen sie wie die Mäuse im Laufrad dicht an dicht, genau neben einander aufgestellt, schwitzend und keuchend, rot im Gesicht.

Ein Blick auf die Uhr.

9 Minuten.

Ich verfalle in konzwentriertes Starren auf einen der Punkte, die so bunt blinken und wahrscheinlich motivieren sollen.

Noch 8 Minuten.

Das Keuchen der Nachbarmaus im Laufrad klingt nicht gesund. Sollte man ihm das sagen? Bloß nicht einmischen. Sollen andere doch ihrer Gesundheit erfolgreich davonrennen in der ohnehin schon hektischen und schnellen Welt. Festes Drücken auf die Ohrstöpsel hilft. Die Musik übertönt meinen aufdringlichen Nachbarn, der bedauerlicherweise nicht im Takt keuchen kann, nun bedingt. Die Flucht aus der Hektik im Alltag wird zum Überlebenskampf.

Noch 6 Minuten.

Ich renne, renne und renne. Dann renne ich noch schneller. Das Leben lässt sich mit dem Laufband vergleichen. Vergleich, das ist das Schlagwort der Gesellschaft. Konkurrenz. Bitterer Nachgeschmack. Wir vergleichen uns mit anderen, unsere Leben mit denen anderer und dann vergleichen wir im Schaufenster den Hintern der schlanken Blonden vor uns mit dem eigenen und dann gehen wir rennen.. rennen.. rennen. Rückbildung der Persönlichkeit, Weiterbildung in Sozialkompetenz. Das moderne Wort für Rudelverhalten. Bald schlagen Männer im Anzug mit Keulen die Frauen nieder, wobei sie jahrelang gezüchtete Makeup-Schichten zerstören und verschleppen sie nur um dann festzustellen, dass sie weder Kinder haben wollen, noch kochen können. Toller Schlamassel.

Noch 4 Minuten.

In mir brüllt der Schweinehund lauter als meine quälenden Gedanken und einen Moment vergesse ich vor Staunen weiter zu hecheln. Brutale Folgen von Aussetzern im Gehirn werden als Seitenstiche bemerkbar. Ich beiße die Zähne zusammen und renne meinem Schweinehund davon. Am Leben vorbei. Dahinten sehe ich kurz meinen Selbsterhaltungstrieb am Tisch mit der Wolllust die sich zusammen betrinken. Ich winke.

Noch 2 Minuten.

Ich... Muss... Langsamer... Denken...

Doch meine Gedanken rasen, der Schweinehund stellt mir Beine und ich überlege kurz wie peinlich es wäre mir auf dem Laufband im Fitnessstudio die Nase zu brechen, weil meine Tollpatschigkeit die einzige ist die mit mir mithalten konnte. Fast muss ich kichern. Ungefähr so peinlich wie plötzlich das Lieblingslied laut mitzugröhlen. Passiert mir bestimmt irgendwann.

10 Sekunden.

Toll fühl ich mich jetzt! Und bestimmt bin ich schon gleich mindestens ein Kilo leichter! Und mein Körper dankt es mir auch. Jetzt ab aufs Sofa und die Schokolade mümmeln.

Morgen geh ich wieder los.

25.3.11 22:55, kommentieren