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Laufbandgedanken

Ein Tag wie jeder andere.

Ein Blick auf die Uhr.

Noch 10 Minuten.

Ein Blick nach rechts und links. Vorsichtig.

Da rennen sie wie die Mäuse im Laufrad dicht an dicht, genau neben einander aufgestellt, schwitzend und keuchend, rot im Gesicht.

Ein Blick auf die Uhr.

9 Minuten.

Ich verfalle in konzwentriertes Starren auf einen der Punkte, die so bunt blinken und wahrscheinlich motivieren sollen.

Noch 8 Minuten.

Das Keuchen der Nachbarmaus im Laufrad klingt nicht gesund. Sollte man ihm das sagen? Bloß nicht einmischen. Sollen andere doch ihrer Gesundheit erfolgreich davonrennen in der ohnehin schon hektischen und schnellen Welt. Festes Drücken auf die Ohrstöpsel hilft. Die Musik übertönt meinen aufdringlichen Nachbarn, der bedauerlicherweise nicht im Takt keuchen kann, nun bedingt. Die Flucht aus der Hektik im Alltag wird zum Überlebenskampf.

Noch 6 Minuten.

Ich renne, renne und renne. Dann renne ich noch schneller. Das Leben lässt sich mit dem Laufband vergleichen. Vergleich, das ist das Schlagwort der Gesellschaft. Konkurrenz. Bitterer Nachgeschmack. Wir vergleichen uns mit anderen, unsere Leben mit denen anderer und dann vergleichen wir im Schaufenster den Hintern der schlanken Blonden vor uns mit dem eigenen und dann gehen wir rennen.. rennen.. rennen. Rückbildung der Persönlichkeit, Weiterbildung in Sozialkompetenz. Das moderne Wort für Rudelverhalten. Bald schlagen Männer im Anzug mit Keulen die Frauen nieder, wobei sie jahrelang gezüchtete Makeup-Schichten zerstören und verschleppen sie nur um dann festzustellen, dass sie weder Kinder haben wollen, noch kochen können. Toller Schlamassel.

Noch 4 Minuten.

In mir brüllt der Schweinehund lauter als meine quälenden Gedanken und einen Moment vergesse ich vor Staunen weiter zu hecheln. Brutale Folgen von Aussetzern im Gehirn werden als Seitenstiche bemerkbar. Ich beiße die Zähne zusammen und renne meinem Schweinehund davon. Am Leben vorbei. Dahinten sehe ich kurz meinen Selbsterhaltungstrieb am Tisch mit der Wolllust die sich zusammen betrinken. Ich winke.

Noch 2 Minuten.

Ich... Muss... Langsamer... Denken...

Doch meine Gedanken rasen, der Schweinehund stellt mir Beine und ich überlege kurz wie peinlich es wäre mir auf dem Laufband im Fitnessstudio die Nase zu brechen, weil meine Tollpatschigkeit die einzige ist die mit mir mithalten konnte. Fast muss ich kichern. Ungefähr so peinlich wie plötzlich das Lieblingslied laut mitzugröhlen. Passiert mir bestimmt irgendwann.

10 Sekunden.

Toll fühl ich mich jetzt! Und bestimmt bin ich schon gleich mindestens ein Kilo leichter! Und mein Körper dankt es mir auch. Jetzt ab aufs Sofa und die Schokolade mümmeln.

Morgen geh ich wieder los.

25.3.11 22:55

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