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"Schatz."

Das war's. Das Wort. Das Unwort. Die Katastrophe.

Alte Gewohnheiten belasten uns, anders kann man das nicht sagen. Neues wird schwer angenommen und moderne Studien sagen, es braucht zwischen 21 und 28 Tagen um eine neue Gewohnheit zu automatisieren. Ich kann es nicht automatisieren, weil ich keine Woche zusammen bekomme ohne dich zu sehen.

Der Verstand wird rücksichtslos ausgeschlatet bei dieser Angelegenheit. Wer sagt sich schon gerne, dass er einen Fehler gemacht hat? Niemand will eingestehen, dass der vor Stunden, Tagen, Minuten noch als toller oder perfekter Partner angesehene Mensch gar nicht so toll, perfekt, geeignet ist.

Das erfordert Zeit, eine ganze Menge Salz und Wut und Selbsterhaltung und daran scheiter es schon ganz gewaltig. Denn wer will sich selbst erhalten, wenn er befürchtet, plötzlich nur noch halb zu sein? Wer seine bessere Hälfte sucht ist nur halb, denn sonst würde ein Paar kein Ganzes geben, aber halb reicht eben nicht.

Wir suchen nicht nach etwas das uns verbessert, vervollständigt oder Ganz macht. Wir suchen jemanden der zu uns passt, der uns als das sieht was wir sind. Das ist noch schwerer, als wir denken.

Gut, haben wir also vor der Partnerschaft unseren vermeintlichen Müll aussortiert und in uns Platz für Neues gemacht. Uns halbiert, damit die bessere Hälfte perfekt passen kann.

Das hat etwas von Selbstaufgabe. Denkbar ungünstig für eine Partnerschaft.

Wer nimmt schon ein totales Chaos, statt einem kleinen? Einen hofflungslosen Fall? Die Fähigkeit nur das Negative an einer Situation zu sehen wohnte mir nicht immer inne. Eher war ich mal sehr ausgelassen und fröhlich, so ganz und gar ein Ganzes.

Ein ganzes Chaos. Ein ganzes Lächeln. Ein ganz eigener Typ.

Und dann habe ich entmüllt, gedacht, ich müsste um jeden Preis erwachsen werden und so wie man sich das eben vorstellt. Dabei bleiben die eigenen Vorstellung auf der Strecke.

Lieber ein Teil der Masse, mit dem Strom schwimmen, in der Flut versinken, als den Kopf hoch heben. Taktgefühl? Fehlanzeige. Modebewusstsein? Ja, nach eigenem Stil. Angepasst? Weder in der Meinung noch in der Kleidung. Meine paar Kilo zu viel nannte man mal "fraulich".

Eine Weile ging das halbierte Leben recht gut, aber mir fehlte immer wieder etwas. Ich dachte, das würde an meinem Partner liegen. Er würde mir nicht das geben können was ich brauchen würde. Jetzt denke ich, das war vielleicht doch mein Fehler. Immerhin habe ich mich halbiert und versucht das zu spiegeln, was er toll fand.

Er fand irgendwann, ich hätte mich zu sehr verändert. Wir hätten das. Es mag daran liegen, dass wir entschieden haben nur halbe Leben zu leben. Und am Ende hatten wir beide die Hälften die wir gar nicht haben wollten und die die uns an dem anderen gefallen haben waren aussortiert, weil sie nicht in die Gesellschaft passen wollten.

Wie findet man etwas wieder, das man als Müll angestempelt hatte? Es endet in einem chaotischen Auf und Ab von Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen.

Wo steckt denn nun der Prinz auf dem verdammten Gaul der mich rettet aus meinem halben Dasein?

Ausgestorben, lautet dann die trockene Antwort eines jeden Realisten. Und nun? Sammel ich einfach sinnlose Verhaltensmuster bis ich mich wieder als Ganzes fühle?

Das ganze Zusammengefüge erinnert an ein Puzzel ohne Motivbeilage. Mit Sabotage. Kaum gerade vor, alle Teile vorsortiert in Teile ohne Rand und Randstücke kommst du, trampelst wie der Elefant durch den Porzelanladen und ich fange seufzend von vorne an.

Dann kam es irgendwann. Automatisieres Verhalten.

"Schatz." Ausgeschatzt. Blöd. Unpassend. Trampel.

Macht ja nicht's. Ich bin der Tollpatsch der jedes Fettnäpfchen mitnimmt.

Und das ist liebenswert. Das ist ein Teil von mir.

25.3.11 22:57

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